Gelegentlich befassen wir uns mit der Fragestellung, wie Renten aus Unfallversicherungen im Falle einer Abfindung zu bewerten sind. Hierzu gibt es keinerlei konkrete rechtliche Grundlagen, weshalb wir uns im folgenden Artikel mit einigen grundsätzlichen Punkten dazu auseinandersetzen möchten. Zur Bewertung einer lebenslänglich zu zahlenden Rente sind zunächst Annahmen zur Lebenserwartung, sowie zu einem Diskontierungszins zu treffen.

Lebenserwartung

Für die Restlebenserwartung können grundsätzlich verschiedene Sterbetafeln zugrunde gelegt werden.

Da es sich im vorliegenden Fall um eine Versicherungsleistung handelt, liegt es nahe die Sterbetafel DAV2004R der deutschen Versicherungswirtschaft zu nutzen. Diese Tafel beinhaltet jedoch Sicherheitszuschläge und bezieht sich nicht ausschließlich auf invalidisierte Personen.

Vergleichend erfolgt die Bewertung daher auch unter Nutzung der (C) Richttafeln 2005G von Prof. Klaus Heubeck. Diese wird in der betrieblichen Altersversorgung verwendet. Auf Sicherheitszuschläge wird hier verzichtet, zudem besteht die Möglichkeit der Bewertung im Invalidenbestand.

Als dritte Möglichkeit kann die Sterbetafel des Statistischen Bundesamtes herangezogen werden. Diese bildet die Grundlage für die Kapitalisierungstabellen, die Küppersbusch / Höher in der 11. Auflage ihres Werkes „Ersatzansprüche bei Personenschaden“ (Link zum Buch) verwenden. Zu bedenken ist hierbei, dass die Sterbetafel 2009/2011 des Statistischen Bundesamtes eine Periodentafel ist.

Zur Kritik an Periodentafeln möchten wir das Statistische Bundesamt zitieren:

„Mit Generationensterbetafeln kann der Frage nachgegangen werden, wie alt Personen im Durchschnitt tatsächlich werden können und welche Ereignisse für den Geburtsjahrgang langfristige Folgen haben, wie beispielweise die Geburt oder das Erreichen des Wehrpflichtalters in Kriegsjahren. Periodensterbetafeln geben nur die Sterblichkeitsverhältnisse aller Personen innerhalb eines Beobachtungszeitraumes an und eignen sich gut, bestimmte Ereignisse in diesem Zeitraum abzubilden, wie beispielweise die außergewöhnlich starke Grippewelle zum Jahreswechsel 1969/1970. Periodensterbetafeln beinhalten jedoch keine Aussagen über die Zukunft, während Generationensterbetafeln die Frage beantworten können, welche durchschnittlichliche Lebenserwartung ein heute Neugeborener unter Berücksichtiung des geschätzten Sterblichkeitstrends erreichen kann. In einem Umfeld stetig steigender Lebenserwartung unterschätzen Periodensterbetafeln somit die tatsächliche durchschnittliche Lebenserwartung jüngerer Jahrgänge.“ (vgl. Statistisches Bundesamt, 2012)

Das Statistische Bundesamt gibt auch eine Generationentafel heraus für die Jahrgänge 1986 – 2009. Es ist daher sinnvoller, die Bewertung mit dieser Generationentafel durchzuführen.

Rechnungszins

Die Wahl eines Zinssatzes zur Diskontierung der Rentenverpflichtung ist ähnlich schwierig. Der Garantiezins der Rentenversicherung sinkt per 01.01.2015 auf 1,25%, allerdings werden durch die Versicherer Überschüsse erwirtschaftet. In der betrieblichen Altersversorgung liegt der Rechnungszins für die handelsrechtliche Bilanzierung aktuell bei 4,62%, wird jedoch als 7-jähriger Durchschnittszins ermittelt. In internationalen Bewertungen werden Stichtagszinsen herangezogen, die aktuell bei 2,4% liegen. Dies entspricht der Verzinsung von Industrieanleihen mit einem Rating von AA oder AAA. Es erscheint sinnvoll einen solchen Zins für die Bewertung zu wählen.

Dementgegen schreiben Küppersbusch / Höher, dass ein Zins im Bereich um 5% in der Rechtsprechung gängig sei. Vor dem Hintergrund der aktuellen Kapitalmarktzinsen, scheint dies jedoch nicht mehr gerechtfertigt.

Beispielfall: Kapitalwert der statischen Unfallrente

Sofern die Rente konstant 750 € beträgt, ist ihr Barwert am 40. Geburtstag der betrachteten männlichen Person (Jahrgang 1974):

Sterbetafel DAV 2004 R, Zins 2,4%272.786,49 €
(c) Richttafeln 2005 G von Klaus Heubeck, Zins 2,4%159.321,30 €
Periodentafel 2009/2011 des Statistischen Bundesamtes, Zins 2,4%222.462,00 €
Generationentafel 1986/2009 des Statistischen Bundesamtes, Zins 2,4%237.411,00 €